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Alice Wexler: Eine kurze Geschichte der Huntington’schen Krankheit - GHI präsentiert erste authorisierte deutsche Übersetzung mit Geleitwort der Autorin

Alice Wexler, Tochter des Gründers der "Hereditary Disease Foundation" Milton Wexler, verfaßte kürzlich einen Bericht zur Geschichte der Berichterstattung über die Huntington'sche Krankheit, der hier mit ihrer Genehmigung erstmals in deutscher Übersetzung veröffentlicht wird. Der Artikel wurde vor Kurzem im "Journal of Huntington's Disease" veröffentlicht, für das Dr. Reilmann als "Associate Editor" fungiert - die englische Originalversion können Sie hier herunterladen.

Bei einem Abendessen anlässlich des Weltkongresses der Huntington’schen Krankheit in Rio de Janeiro im Herbst 2013 entstand die Idee, diesen Bericht einem breiteren deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen, nachdem Alice von der Gründung des GHI erfuhr. 

Alice Wexler ist Autorin des bekannten Buchs "Mapping Fate" - in deutsch erschienen unter dem Titel "Wenn Schicksal messbar wird" und erhältlich über die Deutsche Huntington Hilfe.

 

Zur Veröffentlichung des Artikels schickte Alice folgendes Geleitwort:

"Dear HD Families,

Greetings from Santa Monica and New York, where the Hereditary Disease Foundation is preparing for our annual January scientific workshop to assess and fund the most promising new research proposals for 2014.

We send you our best wishes for the New Year! May this be a year of major advances for Huntington's, in science, in social support, and in the care we give to each other!

Nancy and Alice Wexler"

("Liebe Huntington Familien,

viele Grüße aus Santa Monica und New York, wo die Hereditary Disease Foundation sich auf ihr jährliches wissenschaftliches Symposium im Januar vorbereitet, auf dem Förderungen für neue vielversprechende wissenschaftlichen Projekte vergeben werden.

Wir senden unsere besten Wünsche für das Neue Jahr! Möge es ein Jahr mit großen Fortschritten für Huntington Betroffene werden, sowohl in der Wissenschaft, als auch bezüglich sozialer Unterstützung, Pflege und gegenseitiger Zuwendung. 

Nancy und Alice Wexler")

 

Eine kurze Geschichte der Huntington’schen Krankheit

Alice Wexler

Center for the Study of Women, UCLA, Los Angeles, CA, USA

(übersetzt von Nathalia Weber, M.Sc. Psych., M.A. Cantab., Neuropsychologin am GHI mit freundlicher Genehmigung der IOS-Press)

 

In der gesamten medizinischen Terminologie existiert kein solches Potpourri wie die Chorea…

- William Osler, On Chorea, 1894

Epilepsie, Chorea, Hysterie… sie alle sind so rätselhaft und undurchschaubar wie Sphinxen.

- Jean-Martin Charcot, Oeuvres completes 1888-1894

 

Lange Zeit waren Mediziner und Angehörige gleichermaßen im Ungewissen über die historischen Ursprünge der Huntington’schen Krankheit. Auch wenn die medizinische Literatur in den 1840er Jahren das erste Mal Familien mit „erblicher Chorea“ beschreibt, sind sich die meisten Autoren darüber einig, dass die genetische Veränderung und ebenso die Vielzahl an Symptomen, die wir heute als Huntington-Krankheit kennen, bereits seit Jahrhunderten in Europa, den USA und wahrscheinlich auch anderen Regionen der Welt vorgekommen ist. In medizinischen Schriften des 20. Jahrhunderts wurde immer wieder versucht, die moderne Huntington-Krankheit mit den großen Europäischen Tanz-Epidemien des 14., 15. Und 16. Jahrhunderts, bekannt als „Veitstanz“ oder „Danse de St. Guy“, in Verbindung zu bringen. So wurden die Beschreibungen der „Chorea Sancti Viti“ des während der Renaissance lebenden Arztes Paracelsus von Basel, die Hexenprozesse im Nordeuropa und Neuengland des 17. Jahrhunderts sowie die Fallberichte über post-rheumatische Chorea bei Kindern aus dem 17. und 18. Jahrhundert, unter anderem verfasst vom englischen Arzt Thomas Sydenham, als mögliche Vorläufer gehandelt. Zudem fanden medizinische Berichte aus dem 18. und 19. Jahrhundert über ältere Menschen mit unheilbarer Chorea und „Torheit“ Beachtung [1].

Dennoch blieb es nicht unbemerkt, dass keine dieser Beschreibungen wirklich der familiären Erkrankung entspricht, die wir heute als Huntington-Krankheit kennen. Auch wenn Chorea noch heute als das Leitsymptom der Huntington’schen Krankheit gilt, so unterscheiden sich die in den Berichten vor dem 19. Jahrhundert beschriebenen Erkrankungen doch erheblich von dem, was heute unter derHuntington-Krankheit verstanden wird. Die Perioden der Tanz-Epidemien waren zeitlich begrenzt und sehr wahrscheinlich eine Reaktion auf Pestepidemien und andere Katastrophen [2]. Das Hauptinteresse von Paracelsus bestand darin, vermeintlich übernatürliche Krankheitsursachen zu widerlegen und ein naturalistisches Verständnis der Chorea Sancti Viti zu etablieren. Dabei beschrieb er jedoch keine konkreten Fälle [3]. Bezüglich der berühmten Hexenprozesse des 17. Jahrhunderts habe ich keine überzeugenden Beweise dafür gesehen, dass eines der Individuen, die damals der Hexerei angeklagt waren, Symptome zeigte, die denen der Huntington’schen Krankheit entsprächen – wenngleich Personen mit unwillkürlichen Bewegungen häufig als Opfer von Zauberei oder als von Dämonen besessen galten [4]. Die Fallberichte über Chorea von Sydenham und anderen, handelten zumeist von Kindern, die für eine Zeit Symtome hatten und sich schließlich wieder erholten. Wenngleich einige der damaligen Autoren erbliche Einflüsse erwogen, so beschrieb doch meines Wissens niemand vor dem 19. Jahrhundert Familien, die über mehrere Generationen hinweg von ähnlichen Symptomen betroffen waren. Dies war dahingegen ein wichtiger Aspekt der medizinischen Veröffentlichungen, die nach dem 19. Jahrhundert entstanden.

Doch bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts, wenn nicht schon früher, erkannten einige betroffene Familien und die Gemeinden, in denen sie lebten, dass die Erkrankung, die sie „Veitstanz“ nannten, erblich war. Einer der überzeugendsten frühen Berichte ist ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1806. Dieser handelt von einer Frau aus Long Island (USA) namens Phebe Hedges, deren betroffener Sohn, Enkelkinder, Nichten und Neffen Patienten von George Huntingtons Vater und Großvater waren. Als die 42-jährige Phebe Hedges im Juni 1806 ins Meer lief und ertrank, führte die örtliche Tageszeitung ihren Tod auf „die extremen Qualen des Veitstanz, dessen erste Symptome sich bei ihr zeigten und von dem ihre Mutter bereits hochgradig betroffen ist“ zurück [5]. Diese Zeilen lassen vermuten, dass Phebe Hedges wahrscheinlich über viele Jahre hinweg ihre erkrankte Mutter und vielleicht auch andere Verwandte beobachtet hatte und dadurch genug wusste, um sich vor ihrer eigenen Zukunft zu fürchten. Da Phoebe Hedges im Jahr 1764 und ihre Mutter im Jahr 1739 geboren war, war die genetische Grundlage der Erkrankung in dieser Gegend offenbar bereits mindestens ein Jahrhundert vor den ersten medizinischen Berichten über die Erkrankung bekannt.

Wie kam es also, dass „erbliche Chorea“ in der medizinischen Literatur erst in den 1840er Jahren auftauchte? Warum stammten die ersten eindeutigen Berichte aus den USA und Norwegen, obwohl es mit Sicherheit auch in anderen Teilen der Welt betroffene Familien gab? Warum erregten die ersten Fallberichte so wenig Aufmerksamkeit in der Medizin, während George Huntingtons Bericht innerhalb von weniger als zehn Jahren weithin zitiert wurde? [7] Warum kennen wir die Erkrankung heute unter dem Namen Huntington’sche Krankheit, wenn sein Bericht nicht die erste Beschreibung „erblicher Chorea“ war?

 

Lebenserwartung und „erbliche Chorea“

Als eine mögliche Erklärung für das späte Auftauchen erster medizinischer Berichte über die Huntington’sche Krankheit wurde die früher reduzierte Lebenserwartung in Betracht gezogen. Dieser Theorie zufolge sorgte die allgemein niedrige Lebenserwartung dafür, dass nur selten Menschen über mehrere Generationen einer Familie hinweg alt genug wurden, um Symptome zu entwickeln. Daher soll die erbliche Natur der Chorea unbemerkt geblieben sein. Der englische Neurologe David L. Stevens schrieb im Jahr 1972: „Das Gen, das die Erkrankung verursacht, war damals [vor 1940] nicht weniger verbreitet als heute, jedoch lebten weniger Genträger lange genug, um eine Chorea zu entwickeln. Folglich starben selbst jene, die alt genug wurden, um sich fortzupflanzen, zu früh, um Symptome der Krankheit zu bekommen, die sie an ihre Nachkommen weitervererbt hatten. Dies führte dazu, dass die erbliche Natur der Chorea verborgen blieb und es lediglich zu einem relativ häufigen Auftreten einzelner Individuen mit chronischer, unheilbarer Chorea kam“ [8].

Die Lebenserwartung von Neugeborenen beinhaltete jedoch auch hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit. Diejenigen, die die Kindheit und Jugendzeit überlebt hatten, hatten gute Chancen auf ein langes Leben. Zwischen 1541 und 1871 hatte eine Frau in England oder Neuengland bei ihrer Geburt eine Lebenserwartung von 35 Jahren. Wenn sie jedoch ein Alter von 20 Jahren erreicht hatte, so betrug ihre Lebenserwartung bereits 56 Jahre. Wenn sie 30 Jahre alt war – also sicherlich alt genug um bereits Kinder zu haben – lag ihre Lebenserwartung schon bei 60 Jahren, also weit über dem Alter, in dem heute und auch Berichten aus 19. Jahrhundert zufolge üblicherweise der Krankheitsbeginn der Huntington-Krankheit liegt [9].

Es ist dennoch möglich, dass regionale Unterschiede in der Lebenserwartung dazu führten, dass Familien mit Chorea unter bestimmten Umständen stärker auffielen, insbesondere in den USA und in Norwegen (wo im 19. Jahrhundert die Lebenserwartung mit 49 Jahren im Jahr 1846 relativ hoch war, verglichen mit einer Lebenserwartung von 39,5 Jahren in den USA im Jahr 1850) [10]. Es ist beachtenswert, dass alle Städte, in denen die ersten Familien mit „erblicher Chorea“ beschrieben wurden – Pound Ridge, Bedford und East Hampton, New York und das Tal von Setesdal in Norwegen – kleine, isolierte ländliche Gemeinden waren, in denen die Sterblichkeit tendenziell niedriger war als in den größeren Städten dieser Regionen. So bemerkte Timothy Dwight, Präsident der Universität Yale, während eines Besuchs: „East Hampton ist ungewöhnlich gesund, wie sich an der Zahl der älteren Menschen, die dort leben, erkennen lässt“ [11]. Ob dieser Umstand bei der Entstehung der ersten medizinischen Berichte über „erbliche“ Chorea eine Rolle spielte, ist jedoch unklar.

 

Von humoraler Unausgewogenheit zur definierten Erkrankung

Eine plausiblere Erklärung für die „Entdeckung“ erblicher Chorea im 19. Jahrhundert ist jedoch die zunehmende Professionalisierung der Ärzte – die American Medical Association (AMA) wurde im Jahr 1846 gegründet – und eine neues Verständnis der Entstehung von Krankheiten in der Medizin [12]. Um 1800 nutzten viele Ärzte bei der Behandlung ihrer Patienten noch das Konzept humoraler Unausgewogenheit (obwohl die Humoraltheorie seit dem späten 17. Jahrhundert stark angezweifelt wurde). Krankheiten galten als komplexes Zusammenspiel vielfältiger Faktoren, wie der „Konstitution“ des Patienten und dessen Umwelt, und zwischen physischer und psychischer Erkrankung wurde, wenn überhaupt, nur sehr selten unterschieden [13]. Auch, wenn es dem Historiker John Harley Warner zufolge einige klar umschriebene Erkrankungen wie Pocken oder Syphilis gab, wurden Krankheiten doch zumeist als fluide und individuell angesehen. Sie wurden nach damaligem Verständnis nicht „durch einzelne spezifische Ursachen oder Erreger – von denen einer grundsätzlich Lungenentzündung und ein anderer Typhus verursachte – hervorgerufen, sondern entstanden durch eine Reihe destabilisierender Faktoren, die alleine oder zumeist in Kombination das System aus der Balance brachten“ [14]. Therapien waren darauf ausgerichtet, die natürliche Balance des Körpers, bedingt durch das Leben des individuellen Patienten, wiederherzustellen. Auffälligkeiten des Verhaltens fielen in wenige breite Kategorien, wie Manie, Melancholie, Demenz und „Idiotie“ und wurden auf ähnliche Art und Weise behandelt, da man davon ausging, dass geistigen Erkrankungen körperliche Ursachen zugrunde lagen.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gelangten die besten Mediziner in Europa und den USA zu der gemeinsamen Annahme, dass – ganz im Sinne der Pariser Schule – Krankheit eine klar definierte, Verletzungsbedingte Einheit war, die sich in jedem Individuum gleichermaßen äußerte. Sie verstanden „Krankheiten weniger als systemische Unausgewogenheit in der natürlichen Harmonie des Körpers, sondern als Komplexe einzelner Symptome, die analysiert, unterschieden und isoliert gemessen werden konnten.“ Bestimmte Ursachen oder Erreger führten zu bestimmten Erkrankungen [14]. Mit dem Entstehen der Psychiatrie als eine Spezialdisziplin der Medizin und einer wachsenden Zahl von Anstalten für die „Wahnsinnigen“, kam es auch zu einer stärkeren Ausdifferenzierung der Kategorien für geistige Erkrankungen. Die Beschreibungen „erblicher Chorea“ zwischen 1840 und 1872 entstanden also im Kontext eines epistemologischen und institutionellen Wandels in der Medizin, gekennzeichnet durch die Annahme, dass Krankheiten spezifisch und durch somatische Faktoren bedingt sind.

 

Amerikanische Besonderheiten und medizinische Entdeckungen

Es gibt noch zwei weitere historische Besonderheiten, die möglicherweise erklären können, warum die frühesten Berichte über die Huntington-Krankheit in den USA und nicht in Deutschland oder Frankreich entstanden, obwohl die medizinische Wissenschaft dort zur damaligen Zeit schon viel weiter war. Zum einen betonte die Medizin in den frühen Jahren der Vereinigten Staaten regionale Unterschiede zwischen Krankheiten und Therapien. Medizinische Gesellschaften ermutigten ihre Mitglieder zu Berichten über Krankheiten in spezifischen Regionen, und Medizinstudenten schrieben ihre Doktorarbeiten häufig über die gesundheitlichen Besonderheiten ihrer Heimatbezirke, um sie dann in medizinischen Fachzeitschriften zu veröffentlichen, die in den 1840er und 1850er Jahren immer zahlreicher wurden [14]. Diesen Vorgaben entsprechend betonten Charles O. Waters, Charles R. Gorman, Irving W. Lyon und George Huntington alle die sozialen und geographischen Grenzen, innerhalb derer sie die erbliche Chorea beobachtet hatten [7, 15, 16]. Waters, zum Beispiel, der als Autor der ersten eindeutigen Beschreibung (im Jahr 1841) gilt, beobachtete, dass diese „im südöstlichen Teil des Staates ziemlich häufig war“ (New York); George Huntington sah seine Beobachtungen als eine „medizinische Rarität“ an, die „meines Wissens nach fast ausschließlich am östlichen Ende von Long Island existiert“. Der norwegische Gesundheitsexperte Johann Lund schrieb ebenfalls eingebettet in einen bestimmten geographischen Kontext, indem er die Familien vor allem im Tal von Setesdal verortet sah [17].

Zum anderen brachte in den USA die große Expansion der medizinischen Hochschulen in den 1820ern, 30ern und 40ern, die meisten von ihnen unlizenzierte private Institutionen, viele junge Mediziner hervor, die darauf brannten, etwas zu erreichen und sich einen Namen zu machen. Zwischen 1790 und 1850 stieg die Zahl der Mediziner in den USA von 5.000 auf 40.000 an [12]. Unter diesen Umständen ist es wenig erstaunlich, dass die meisten amerikanischen Beschreibungen erblicher Chorea von jungen Männern stammen, die gerade die Medizinhochschule abgeschlossen hatten (entweder das Jefferson Medical College in Philadelphia oder das Columbus College für Mediziner und Chirurgen in New York). Überraschend ist jedoch, dass keiner von ihnen, nicht einmal George Huntington, seine eigenen Patienten beschrieb. Es ist tatsächlich unklar, ob Waters, Lyon oder Huntington jemals einen Patienten mit der von ihnen beschriebenen Krankheit behandelten. Vielmehr verfassten sie ihre Erzählungen als Berichte besonderer regionaler Phänomene, die ihre Neugierde geweckt hatten. (Obwohl Lyon zu der Zeit, als er seinen Artikel veröffentlichte, im Jahr 1863, als Arzt an einem Krankenhaus in New York City beschäftigt war, beschrieb er in diesem Familien, an die er sich aus seiner Kindheit erinnerte, nicht über seine damaligen Patienten) [18]. Ihre Berichte und Beschreibungen erblicher Chorea entstammten nicht der klinischen Praxis, sondern den Beobachtungen und Begegnungen, die sie während ihrer Kindheit oder im Zuge von Besuchen in Städten gemacht hatten, in denen diese Familien lebten (und, im Fall von Huntington, den Patientenbeobachtungen seines Vaters und Großvaters).

 

Neurologie, Vererbung und Chorea

Keiner dieser Berichte weckte umgehend Interesse. (Abgesehen von der Tatsache, dass er in eine für Ärzte außerhalb Norwegens unverständlichen Sprache schrieb, hatte Lund das Pech, dass das einflussreiche Handbuch der historisch-geographischen Pathologie seine Beschreibung als „Schüttellähmung“, oder Morbus Parkinson, interpretierte. Dieser Fehler sorge ohne Zweifel dafür, dass viele Ärzte, die sich für Chorea interessierten, den Artikel übersahen) [17]. George Huntington hatte mehr Glück. Sein Bericht wurde im medizinischen Jahresbericht für 1872 von Hirsch und Virchow [19] und in Hugo von Ziemssens Handbuch der Speciellen Pathologie und Therapie aus dem Jahr 1875 [20] korrekt zusammengefasst [21]. Der große italienische Neuroanatom Camillo Golgi erwähnte es ebenfalls in einem Artikel von 1874 [22,23]. Doch über die Dauer von fast einem Jahrzehnt gab es insbesondere in den USA lediglich sporadische Diskussionen. Dadurch, dass die frühen Autoren betonten, wie lokal begrenzt und ungewöhnlich die von ihnen beschriebene Erkrankung war, entstand bei Medizinern, die noch nie einen solchen Fall gesehen hatten, der Eindruck, sie sei esoterisch und irrelevant. Darüber hinaus mag die Erblichkeit der Krankheit nicht bemerkenswert gewirkt haben, so sagte zum Beispiel Charles Rosenberg, dass „keiner bezweifelte, dass Krankheit und Missbildungen erblich sein könnten“ [24].

Doch klinische Fallberichte über „Chorea bei Erwachsenen“, „Chorea im Zusammenhang mit geistigem Verfall“, „Chorea bei Älteren“ und bald auch „erbliche Chorea“, wurden in den medizinischen Fachzeitschriften vieler Länder immer häufiger. Zunächst war dies vor allem in Europa und in Nordamerika, schließlich aber auch in Argentinien (1894), Brasilien (1891), Kuba (1890) und Russland (1889) der Fall. Bis zum Jahr 1893 hatte sich laut William Osler bereits eine umfangreiche Literatur zu diesem Thema angesammelt [25]. Einige Beobachter zogen in Betracht, dass die Erkrankung weniger selten sein könnte, als zunächst angenommen [26].

Die Gründe für diesen Wandel lassen sich unschwer erahnen. Am wichtigsten war hierbei die wachsende Zahl an psychiatrischen Krankenhäusern und Anstalten in den USA und in Europa mit rapide ansteigenden Patientenzahlen. Alleine in den 1880er Jahren verdoppelte sich die Zahl der Psychiatrien in den USA von 31.973 auf 67.754, und im folgenden Jahrzehnt kam es erneut beinahe zu einer Verdopplung [4]. Dadurch, dass sich mehr und mehr Familien an diese Institutionen wandten, um ihre Mitglieder mit fortgeschrittener Chorea versorgen zu lassen, erlangten immer mehr Patienten die Aufmerksamkeit der Mediziner.

Darüber hinaus sorgte die Entstehung der Neurologie als eine medizinische Fachrichtung, zunächst in Europa in den 1850ern, dann in den USA in den 1860ern und 70ern, für eine wachsende Gruppe ambitionierter junger Kliniker mit besonderem Interesse an Erkrankungen des Gehirns [27]. Diese jungen Ärzte distanzierten sich von den bereits etablierten Psychiatern, die sie für altmodisch hielten, und waren mehr der forschungsbasierten Medizin zugewandt. Sie beschrieben zahlreiche neue neurologische Erkrankungen, wie zum Beispiel die Friedreich Ataxie im Jahr 1863, Multiple Sklerose im Jahr 1868 und Athetose im Jahr 1871. Mit den Fortschritten auf den Gebieten der Neurophysiologie und Neuroanatomie und der zunehmenden Bedeutung der Forschung in der Medizin, wuchs das Interesse an der Neuropathologie der erblichen Chorea. In einer Reihe früher post-mortem Studien, unter anderem auch der von Golgi in 1874, zeigte sich ein Verfall der Zellen in den Basalganglien und insbesondere im Striatum. Es lag also eine Störung des Verhaltens vor, die mit klar eingrenzbaren Läsionen des Gehirn zusammenhing: Eine neurologische Erkrankung par excellence, wenngleich in der Praxis ein Großteil der Patienten in der Obhut eines Psychiaters, in einer Anstalt für „Verrückte“ endete.

Schließlich brachte der zunehmende soziale und wissenschaftliche Fokus auf Vererbbarkeit der Erkrankung zusätzliches Interesse ein. Theorien bezüglich der Vererbung wurden zwischen den 1880ern und den frühen 1900er Jahren immer pessimistischer. Soziale und medizinische Missstände wurden mehr und mehr auf ein schlechtes biologisches Erbe und „Entartung“ zurückgeführt [28]. Nach 1900 wurde erbliche Chorea für Anhänger der damals neuen Mendel’schen Vererbungslehre, wie zum Beispiel den englischen Biologen William Bateson, interessant, um Mendels Theorie an menschlichen Stammbäumen zu testen. Verfechter der Eugenik interessierten sich ebenfalls für Familien mit der Huntington’schen Krankheit, einerseits um menschliche Vererbungsmuster aufzuzeigen, andererseits, um eugenetischen sozialen Ziele weiter zu definieren [29].

In Anerkennung der wachsenden Bedeutung der Erkrankung, die inzwischen zunehmend unter dem Namen Chorea Huntington bekannt war, veröffentlichte ein neues Fachjournal für Neurologie namens Neurographs (New York) in 1908 eine komplette „Huntington Ausgabe“, in der ausschließlich Artikel über die Erkrankung (auf Englisch, Französisch und Deutsch) enthalten waren [30]. Die Krankheit hatte sich von einer, wie George Huntington in 1872 sagte, „medizinischen Rarität“ zu einem Thema von weltweitem Interesse gewandelt und war in den Fokus der Wissenschaft geraten.

 

Eine Variante der Chorea oder eine eigenständige Erkrankung?

Die Frage, ob es sich bei der erblichen Chorea um eine eigenständige Erkrankung oder lediglich um eine weitere Variante der Chorea handelte, spielte bereits in den ersten Berichten eine Rolle. In 1880 Erreichte die Debatte schließlich ihren Höhepunkt. Der renommierte französische Neurologe Jean-Martin Charcot vertrat in seinen berühmten Dienstagsvorlesungen (von 1887-88) die Ansicht, dass die Huntington-Krankheit „lediglich eine Variante, ein Aspekt gewöhnlicher Chorea“ sei. Aufgrund der Ähnlichkeit mit Sydenhams Beschreibung einer Chorea sowie der Tatsache, dass einige der Symptome und Charakteristiken der Huntington-Krankheit auch in anderen Erkrankungen beobachtbar waren, sah er diese als eine Variante innerhalb eins breiteren Chorea-Spektrums. „Mit anderen Worten handelt es sich um eine gemeine Chorea mit einem außergewöhnlich späten Krankheitsbeginn und einer Chronizität in einzelnen Familien. Der vornehmliche und gelegentlich ausschließliche Einfluss der genetischen Übertragung ist in der Tat eine bemerkenswerte Eigenschaft. Sie reicht jedoch nicht aus, um eine eigenständige nosologische Kategorie zu begründen“ [31].

William Osler (und viele andere) stimmten dem nicht zu. „Die chronische progressive Chorea ist eine völlig andersartige Erkrankung als die von Sydenham beschriebene und hat mit dieser nichts gemeinsam, als den Namen“, so Osler [25]. Ein Jahr später bemerkte er erneut, mit einem Seitenhieb an seine französischen Kollegen: „Abgesehen von Charcot und seinem Schüler Huet gehen sämtliche Autoren, die sich mit der chronischen progressiven Chorea beschäftigen, davon aus, dass es sich hierbei um eine vollkommen andere Erkrankung als Chorea minor handelt. Diese Meinung erscheint mir angesichts der klinischen Merkmale, insbesondere der Art der Bewegungen, des progressiven Verlaufs und der anatomischen Läsionen nur gerechtfertigt“ [32].

Christopher Goetz schrieb in seiner Studie über Charcot, dass dieser eine erhebliche Menge an Energie auf den Versuch verwendete, die Chorea von anderen Bewegungsstörungen zu unterscheiden. Er schenkte dadurch den Ähnlichkeiten der von Huntington und Sydenham beschriebenen Chorea-Arten mehr Aufmerksamkeit, als eventuellen Unterschieden in deren Ätiologie. Darüber hinaus ist es denkbar, dass ihm die erbliche Natur der Chorea Huntington angesichts der Tatsache, dass er alle Chorea-Arten für erblich hielt, weniger bedeutsam erschien. Auch, wenn er anerkannte, dass die „Ähnlichkeit der Vererbung“ von Chorea Huntington – also die über Generationen hinweg sehr ähnlichen Symptome - verblüffend war, fand er dies nicht bedeutsam genug, um von einer eigenständigen Erkrankung auszugehen [31].

 

Warum Huntington’sche Krankheit?

Im Jahr 1887 wurde im medizinischen Lexikon von Virchows Archiv der Name „Chorea Huntington“ eingetragen. Doch für mehr als zehn Jahre danach kursierten Alternativbezeichnungen, vor allem erbliche Chorea und chronische progressive Chorea [33]. Warum also verschwanden diese Alternativen? Warum Chorea Huntington, nicht Chorea Lund oder Waters, obwohl doch sowohl Lund als auch Waters die gleichen Symptomkomplexe, Alter bei Krankheitsbeginn und Erblichkeit beschrieben hatten? Man ist schnell dazu verleitet, diese Namensgebung darauf zurückzuführen, dass George Huntington im Gegensatz zu den anderen das Vererbungsmuster der Erkrankung erstmalig genau beschrieb. In seinem berühmten Bericht schrieb er, dass Nachkommen bei Erreichen des Erwachsenenalters fast sicher an der Erkrankung leiden würden, sobald ein Elternteil betroffen sei. „Doch wenn eines der Kinder ohne krank zu werden durch das Leben geht, so ist die Linie durchtrennt und die Enkel und Urenkel der Betroffenen können sich vor der Erkrankung in Sicherheit wägen… So instabil und willkürlich die Krankheit in anderen Aspekten sein mag, in dieser Sache ist sie eindeutig: Sie überspringt niemals eine Generation, um in der nächsten wieder manifest zu werden. Wenn sie einmal losgelassen hat, greift sie nie wieder zu“ [8]. Mit anderen Worten, nur jene, die die Krankheit selbst hatten, liefen auch Gefahr, sie weiter zu vererben.

Dieses Argument beeindruckte jedoch nur die wenigsten von George Huntingtons Zeitgenossen. Einige, unter ihnen auch Charcot, vermuteten dahinter einen voreiligen Schluss aufgrund von unzureichender Dokumentation. Andere, wie zum Beispiel der in Philadelphia praktizierende Neurologe Wharton Sinkler, gingen davon aus, dass dies zwar „in der Regel der Fall ist“, aber keine unabänderliche Tatsache darstelle. William Osler erwähnte das Thema nie. Er war mehr von der Häufigkeit als von der Art der Weitergabe beeindruckt. Allerdings war der Zeitpunkt für Huntingtons Publikation sehr günstig, wenn man bedenkt, wie stark die Patientenzahl in Nervenheilanstalten von 1870 bis 1880 anstieg und wie sich das Feld der Neurologie und dessen Einfluss in dieser Zeit entwickelten. Des Weiteren fand Huntingtons Beschreibung lange vor denen seiner Vorgänger in weitverbreiteten (und relativ neuen) europäischen Medizinjournalen Beachtung. Zuguterletzt mag das Lob William Oslers, einer der damals einflussreichsten Mediziner, eine entscheidende Rolle gespielt haben. Osler, der selbst den Begriff chronisch progressive Chorea bevorzugte, verlieh 1893 seiner viel zitierten Ansicht Ausdruck mit den Worten: „Unter allen nosologischen Krankheitsbeschreibungen gibt es meines Wissens nach keinen zweiten Fall, in dem eine Erkrankung so akkurat und treffend mit so wenigen Wörtern beschrieben wurde“ [25].

Ironischerweise wurde Huntingtons Name in europäischen und lateinamerikanischen Zeitschriften häufiger verwendet als in den USA, wo selbst in den 1920ern noch die Begriffe erbliche Chorea, chronische progressive Chorea sowie gelegentlich andere Alternativen verwendet wurden. Nach und nach setze sich jedoch der Begriff Chorea Huntington (und später Huntington-Krankheit) durch. Das einflussreiche Journal of Nervous and Mental Disease (zu Deutsch Zeitschrift für Nervenkrankheiten; New York) nutze diese Bezeichnung durchgängig, während US-Ärzte, die nach wie vor einen anschaulicheren Namen bevorzugten daran erinnert wurden, dass nur wenige derart bedeutende Erkrankungen eine amerikanischen Namen trugen [34].

Nach der Wiederentdeckung Mendels im Jahr 1900 wurde Huntingtons Beschreibung des Vererbungsmusters der Erkrankung von der Wissenschaft zunehmend ernst genommen. Häufig wird der englische Biologe Reginald Punnett als derjenige bezeichnet, der bestätigte, dass das von Huntington beschriebene Vererbungsmuster Mendels dominantem Erbgang entspricht [3]. Eigentlich war es jedoch sein Kollege William Bateson, der als erster Fälle in Stammbäumen zählte, um diese Annahme zu bestätigen. Im Jahr 1906 begann Bateson, mit dem Ziel die Mendel’sche Vererbungslehre am Menschen zu überprüfen, Stammbäume von Familien mit „erblicher Chorea“ zu sammeln. Er tat dies über einen Zeitraum von zwei Jahren, stets in der Sorge, dass das Verhältnis (die Hälfte der Fälle betroffen, die andere Hälfte nicht) nicht ausreichen würde, um erbliche Dominanz zu beweisen. Zum Ende des Jahres 1908 war er sich schließlich jedoch sicher, dass dies genügte. Unglücklicherweise machte er seine Erkenntnisse eher beiläufig im Rahmen einer Diskussion in der British Royal Society of MEdicine (RSM) in 1908 und erneut ein Jahr später in einem Buch mit dem Titel „Mendel’s Principles of Heredity“ publik [35,36]. Zu diesem Zeitpunkt war Punnett ihm jedoch mit einem Vortrag vor der RSM unbeabsichtigter Weise zuvorgekommen. In diesem Vortrag äußerte Punnett die Vermutung, dass es „sich herausstellen könnte“, dass erbliche Chorea dem dominanten Erbgang nach Mendel folge [37]. Danach kam Punnett die Anerkennung zuteil, die meiner Ansicht nach Bateson zugestanden hätte [4].

 

Fazit

Die Entdeckung der erblichen Chorea als eigenständige Erkrankung sowie die Namensgebung Chorea Huntington lassen sich mit den dramatischen epistemologischen und institutionellen Veränderungen in der Medizin im Laufe des 19. Jahrhunderts erklären. Diese Veränderungen bringen auch die Ironie der Tatsache ans Licht, dass in einer Zeit, in der die Wissenschaft das Verständnis, die Diagnostik und gar die Behandlung von Krankheiten rapide veränderte, ausgerechnet junge und unerfahrene Mediziner auf dem Land, fernab der wissenschaftlichen Zentren, zu Autoren eines großen medizinischen Durchbruchs wurden. Ihre Beschreibungen handelten nicht etwa von Patienten, die sie behandelt hatten, sondern von ihren Nachbarn, von Menschen, mit denen sie aufgewachsen waren und von solchen, die sie in ihren Gemeinden, ohne jeden klinischen Kontext, beobachtet hatten. Sie kannten örtlichen Klatsch und Tratsch und Familiengeheimnisse in einem Umfang, in dem dies Klinikärzte in der Regel nicht tun. Trotzdem stammten die meisten der späteren Berichte über Huntington-Patienten aus dem klinischen Umfeld, bedingt durch die ansteigende Zahl von Nervenkliniken und Anstalten im 19. Jahrhundert.

Hieraus ergibt sich eine interessante Frage: Sahen Ärzte vor dem 19. Jahrhundert bereits Fälle der später so genannten erblichen Chorea und klassifizierten diese lediglich als Varianten anderer Erkrankungen, wie zum Beispiel Veitstanz, choreatische „Verrücktheit“, Demenz, Melancholie oder „Nervosität“? Oder sahen die Ärzte tatsächlich kaum einen derartigen Fall und noch weniger mehrere Fälle aus einer Familie, weil diese Patienten schlichtweg keine Ärzte aufsuchten, oder weil keine Ärzte und Kliniken in ihren Umgebungen vorhanden waren? Ich vertrete die Annahme, dass Waters, Lyon, Lund und Huntington auch deshalb in der Lage waren, erbliche Chorea zu beschreiben, weil sie lange Zeit in Gemeinden verbrachten, in denen mehrere Generationen betroffener Familien lebten. Diese jungen Ärzte arbeiteten wie Ethnologen, indem sie familiäre Erinnerungen und lokales Wissen in klinische Begriffe übersetzten, die schließlich Teil der medizinischen Literatur wurden. Noch heute sind Stammbäume ein wichtiger Teil der Genetik und mit ihnen das Wissen der Menschen über die Stammbäume ihrer Familien. Wie die Historikern Susan Lindee schrieb: Die Geschichten, die Menschen über ihre Körper und ihre Familien erzählen sind ein entscheidender Bestandteil der genetischen Wissenschaft“ [38]. Die geniale Leistung der Ärzte von damals bestand darin, diese Geschichten aufzunehmen und sie der Medizin und der Wissenschaft auf eine Art und Weise verfügbar zu machen, dass wir noch heute von ihnen profitieren.

 

Literatur

[1] Harper PS. Huntington’s. Disease: A historical background. In: Bates GP, Harper PS and Jones AL, editors. Huntington’s Disease. 3rd ed. Oxford: Oxford Univ. Press; 2002, 3-27. Due to limitations of language and accessibility, I have limited this overview to Europe and the Americas. The pre-history of Huntington’s outside the globalWest is an important topic waiting to be researched.

[2] Midelfort HCE. A History of Madness in Sixteenth-Century Germany. Stanford: Stanford University Press; 1999.

[3] Harper PS and Morris M. Introduction: A historical background. in Harper PS, editor. Huntington’s disease. 1st ed. London; WB Saunders; 1991;1-35.

[4] Wexler A. The Woman who Walked into the Sea: Huntington’s and the Making of a Genetic Disease. New Haven; Yale University Press; 2008.

[5] Suffolk Gazette. (East Hampton, New York). 1806, June 30.

[6] An even earlier suicide was that of Ruth Ferris, a thirty-four year old woman from a family with descendants who had Huntington’s, who hung herself in Greenwich, Connecticut in 1768. The jurors at her inquest reported that it appeared that “on sd DAy of har Deth and at Sundrie other times that she appered to be Deprived of har Reson which we Judge to Be the Caus of har Bringing har Self to a untimely End.” (Fairfield County Superior Court Files, Inquests, Box 613,RG 3, Connecticut State Library. Thanks to Cornelia Dayton for this reference). While some authors have traced modern HD families back to the 17th and even 16th centuries, diagnoses of specific individuals prior to the mid-19th century were based on speculation.

[7] Huntington G. On Chorea. Med Surg Reporter 1872;26:317- 21.

[8] Stevens DL. The History of Huntington’s Chorea. Journal of the Royal College of Physicians of London 1972;6(3):271-82.

[9] Archer A. New England Mosaic: A Demographic Analysis for the Seventeenth Century. William and Mary Quarterly 1990;47(4):477-502.

[10] The Human Mortality Database. Berkeley: University of California (USA), and Rostok: Max Planck Institute for Demographic Research (Germany). Available at www.mortality.org

[11] Dwight T. Travels in New England and New York, vol. 1. Barbara Miller Solomon, editor. Cambridge, Mass: Harvard University Press; 1969, 222.

[12] Starr P. The Social Transformation of American Medicine. New York: Basic; 1982.

[13] Grob G. The Mad Among Us: A history of the Care of the Mentally Ill. New York: Free. Press; 1994, 8.

[14] Warner JH. The Therapeutic Perspective: Medical Practice, Knowledge, and Identity in America, 1820–1885. Princeton, N.J.: Princeton U. Press; 1997.

[15] Dunglison R. Practice of Medicine. 3rd ed. Philadelphia: Lea and Blanchard; 1848.

[16] Lyon IW. Chronic Hereditary Chorea. American Medical Times. 1863;7:289-90.

[17] Orbeck AL. An Early Description of Huntington’s Chorea Medical History. 1959;3(2):165-8. A. Wexler / A Brief Prehistory of Huntington’s Disease 237

[18] Lyon IP. Letter to: Jeliffe SE (New York City) 1905 Feb. 25. Located at: Eugenics Record Office Papers, American Philosophical Society, Philadelphia PA.

[19] Kussmaul A, Nothnagel H. Chorea Minor. In: Virchow R and Hirsch A. editors. Jahresbericht uber die Leistungen und Fortschritte inder Gesammten Medicin fur das Jahr 1872. vol. 7. Berlin: August Hirschwald; 1873, 82.

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